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Zwei Frauen schauen sich gemeinsam eine dunkle Jeans an

Die Gesichter der Slow Fashion: Kate Fletcher

Geht es um Slow Fashion, verzetteln wir uns häufig damit, was große Modeunternehmen und Endverbraucher besser machen könnten, um die Modebranche fairer und nachhaltiger zu gestalten. Aber vielleicht haben wir ja grundsätzlich etwas falsch verstanden? Was, wenn selbst die schicksten Öko-Krieger den Mode-Wald vor lauter Bio-Bäumen nicht sehen? Kate Fletcher jedenfalls ist davon überzeugt. Und wenn die Namensgeberin des Begriffs „Slow Fashion“ spricht, können wir noch vieles lernen.

Slow Fashion ist nicht gleich Entschleunigung

Die Professorin für Nachhaltigkeit, Design und Mode am Centre for Sustainable Fashion an der University of Arts in London ist als Forscherin, Autorin und Rednerin rund um das Thema Slow Fashion bekannt. Ihre Verwendung des Ausdrucks wurde zur festen Wendung im Wörterbuch des Designs. Zum Teil fasst sie Slow Fashion als Gegensatz zur Fast Fashion auf, Geschwindigkeit ist dabei „eine der definierenden Eigenschaften der heutigen Textil- und Bekleidungsindustrie“.  

Fletcher betrachtet die gängigen Antworten auf die Probleme der Fast Fashion als „technische Belange“. Die Umstellung auf Bio-Fasern, das Zahlen fairer Löhne und die allgemeine Verbesserung der Arbeitsbedingungen seien zwar alles Schritte in die richtige Richtung, berühren jedoch nicht den Kern der Bewegung. Laut Fletcher geht es bei Slow Fashion noch um viel mehr als die bloße Entschleunigung. Das Ideal hochwertigerer Kleidungsstücke, die unter fairen Bedingungen in geringeren Mengen hergestellt werden, bildet den Grundstein der Philosophie, nicht das Ziel. Solange wir weiterhin enorme Mengen an Mode kaufen – sei diese auch fair, bio und nachhaltig – kann das Problem nicht grundsätzlich gelöst werden. Um es zu beseitigen, müssen wir unsere Beziehung zu den Kleidungsstücken, die wir tragen, grundlegend überdenken.

Jenseits des Konsumdenkens: Slow Fashion neu denken

In den Vorstellungen der Slow Fashion-Vordenkerin geht es weniger um Kleidung und deren Produktion, sondern darum, wie die Menschen damit interagieren. Wenn wir Mode insgesamt, die Nutzung, Anpassung, Veränderung und Pflege der Kleidungsstücke, in unserem Besitz – neu definieren, könnten wir so viel mehr als bloße Verbraucher werden. Ändern wir unsere Perspektive, sind wir nicht länger nur passive Konsumenten der von Marken und Designern diktierten Trends und Stile. Unser Erleben von Mode wandelt sich zu einem aktiven und persönlichen, da wir jedes einzelne Kleidungsstück formen, je länger wir es besitzen und tragen.

Neben ihren akademischen und populärwissenschaftlichen Publikationen illustrieren auch die Projekte Fletchers lebhaft, wie die Theorie von Slow Fashion in der Praxis aussieht. Gemeinsam mit ihrer Forschungspartnerin Mathilda Tham bat sie Frauen im Rahmen von „Lifetimes“ ein Modetagebuch zu führen, sowohl ihr liebstes als auch die nie getragenen Kleidungsstücke auszuwählen und ihre Rituale rund um die Wäsche zu dokumentieren. Anhand der Daten konnten sie Zukunftsszenarien sowohl zu schneller als auch langsamer Kleidung entwickeln, bei denen der Schwerpunkt klar auf Bewahrung, Auswahl, Tragen und Pflege der Kleider liegt.

Wir alle können unsere eigene Rolle im Leben unserer Kleidungsstücke überdenken: Was tun wir bereits, was könnten und sollten wir tun, um die Stücke länger zu erhalten? Laut Kate Fletcher ist das der erste Schritt in Richtung wahrer Slow Fashion.

Image credits:
Header image: Courtesy of Kate Fletcher

 

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